FSME
(Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)
Was versteht man unter FSME?
Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist
eine entzündliche Erkrankung des Gehirns bzw. der Hirnhäute und wird durch das
FSME-Virus ausgelöst. Dieser Erreger wird durch Zecken (Ixodes ricinus, dt.
Holzbock) übertragen. In so genannten Endemiegebieten tritt die Erkrankung gehäuft
auf - vor allem von März bis November, mit einem Gipfel von Juli bis September.
Wie hoch ist das Risiko, durch den Stich einer infizierten Zecke zu
erkranken?
In den einzelnen Naturherden variiert die
Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus und damit auch das Infektionsrisiko.
Es wird geschätzt, dass etwa drei Viertel der FSME-Infektionen mild bzw. gänzlich
ohne Symptome verlaufen. Beim Rest der Fälle kann es zu einem
charakteristischen zweiphasigen Verlauf kommen - es kann jedoch auch eines der
beiden Stadien fehlen.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Nach einer Inkubationszeit von etwa einer
Woche (bis ca. drei Wochen) kommt es zu Fieber mit grippeartigen Beschwerden:
- Kopfweh
- Muskelschmerzen
- Allgemeine Abgeschlagenheit
- Atemwegsbeschwerden
- Bauchschmerzen
- Durchfall
Bei etwa zwei Drittel der Patienten endet
die Erkrankung mit dem Rückgang des Fiebers.
Die restlichen Patienten entwickeln
jedoch - meist nach einer fieberfreien Periode von ca. einer Woche (sechs bis
zehn Tage) - neurologische Symptome. In Einzelfällen geht das erste Stadium
aber auch direkt in eine zweite Erkrankungsphase über.
Es kommt zu:
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- Hirnentzündung (Meningoenzephalitis)
- Entzündung des Hirn- und Rückenmarkgewebes (Meningoenzephalomyelitis,
-radikulitis)
Diese Erkrankungen können sich in
starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen
äußern. Weiters kann es zu Gangstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen und
Atmungsstörungen kommen. Ein Großteil der Betroffenen erholt sich wieder
vollständig, aber zehn bis 29 Prozent der Patienten mit Meningoenzephalitis
bzw. Meningoencephalomyelitis leiden über lange Zeiträume bzw. dauerhaft unter
Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit, verringerter Leistungsfähigkeit,
depressiven Verstimmungen oder anderen neuropsychiatrischen Beeinträchtigungen.
Bei Kindern ist die Erkrankung im Allgemeinen weniger schwer ausgeprägt.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die Diagnose - nur etwa die Hälfte der
Patienten gibt an, von einer Zecke gestochen worden zu sein - ist nur unter
Zuhilfenahme labordiagnostischer Maßnahmen möglich. Sie dient vor allem zur
Abgrenzung gegenüber anderen Infektionskrankheiten mit ähnlicher Symptomatik.
Die Methode der Wahl zur Sicherung der Diagnose ist der Nachweis
FSME-spezifischer IgM- und IgG-Antikörper im Serum des Patienten, die bei
Einsetzen der neurologischen Symptomatik fast immer vorhanden sind.
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Da es keine spezielle Behandlung der FSME
gibt, ist es für in virusverseuchten Regionen lebende Personen ratsam, sich
vorbeugend impfen zu lassen. Dies gilt ebenso für jene Menschen, die in solche
Gebiete reisen.
Infos über die FSME-Impfung
Die Immunisierung gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis
besteht aus drei Teilimpfungen. Dabei wird ein Impfstoff, der inaktivierte Viren
enthält, in den Schultermuskel injiziert.
1. Teilimpfung
2. Teilimpfung: nach 28 bis 90 Tagen
3. Teilimpfung nach neun bis zwölf Monaten
Ein Impfschutz tritt ca. zwei Wochen nach
der zweiten Teilimpfung auf. Nach drei Jahren ist eine Auffrischung
erforderlich.
Welche Nebenwirkungen können bei der Impfung auftreten?
Die in Österreich gebräuchliche
FSME-Impfung wird in den meisten Fällen gut vertragen. Gelegentlich kann es zu
örtlichen Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle kommen. Vor allem
bei der ersten FSME-Teilimpfung kann es bei Kindern, besonders häufig bei
Kleinkindern, am Tag der Impfung oder am Tag danach zum Auftreten von Fieber
kommen. Seltener treten allgemeine Symptome wie Kopfweh, Muskel- und
Gelenksschmerzen auf.
Vorkommen der FSME: Österreichkarte
Karte NÖ
Wie sieht es mit der Verträglichkeit
der Impfung aus?
Abgesehen von leichten Rötungen und
Schwellungen an der Injektionsstelle, wie sie bei allen Impfungen auftreten können,
kommt es bei einem Teil der Geimpften zu systemischen, also den Gesamtorganismus
betreffenden, Nebenwirkungen. In mehreren Studien wurde die Häufigkeit von
unerwünschten Wirkungen untersucht. Dazu gehören folgende Beschwerden:
- Fieber über 37,5 Grad
- Kopfweh
- Übelkeit
- Abgeschlagenheit
- Muskelschmerzen
- Benommenheit
- Zittern
Insgesamt traten diese Nebenwirkungen in
kontrollierten Studien (Vergleich mit Placebo) bei ca. 16 bis 25 Prozent der
Geimpften auf. Diese auf den ersten Blick hohe Zahl wird jedoch durch den
Umstand relativiert, dass auch in den Placebogruppen zu etwa 13 Prozent
systemische Beschwerden auftraten.
Angesichts der schweren möglichen
Konsequenzen einer FSME - Erkrankung und der offenbar hohen Zuverlässigkeit der
Impfung, scheint die in Österreich praktizierte "Impfpolitik"
jedenfalls durchaus gerechtfertigt.
Richtlinien bei Kindern
Nach Berichten über sehr häufig
auftretende, hoch fieberhafte Reaktionen bei Kindern nach einer Impfung mit dem
FSME-Impfstoff Ticovac hat der Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates in Österreich
mit Erlass vom 4. April 2000 neue Empfehlungen für Impfungen mit Ticovac
ausgearbeitet:
Seit 2001 steht ein eigener
Kinderimpfstoff zur Verfügung
- Demnach sollen Kinder bis zum
vollendeten 12. Lebensjahr bei allen FSME - Schutzimpfungen (sowohl
Erstimpfungen als auch Auffrischungsimpfungen) nur mehr mit der halben Dosis
geimpft werden.
- Da eine entsprechende Zubereitung noch
nicht erhältlich ist, soll die halbe Menge der Erwachsenenimpfung verabreicht
werden. Um eine entsprechende Wirkstoffverteilung in der Flüssigkeit zu gewährleisten,
ist es dabei wichtig, die Spritze vor der Verabreichung gut aufzuschütteln.
- Bei Kindern bis zum vollendeten 3.
Lebensjahr soll die Impfung gegen FSME nur nach besonders strenger
Indikationsstellung (Risiko-Nutzen-Abwägung, insbesondere bezüglich Wohngegend
und Lebensstil) erfolgen, weil in dieser Altersgruppe zusätzlich zu hohem
Fieber auch Fieberkrämpfe auftreten können.
- Die Eltern sollen auf die Möglichkeit
des Auftretens fieberhafter Reaktionen besonders hingewiesen werden, vor allem
auch auf die in diesem Zusammenhang möglichen Fieberkrämpfe bei Kleinkindern.
Die Körpertemperatur soll während der ersten 24 Stunden nach der Impfung überwacht
werden, sie soll 38°C nicht übersteigen. Das Auftreten von Fieberkrämpfen lässt
sich durch rechtzeitige und ausreichende fiebersenkende Maßnahmen vermeiden.
Neben "Hausmitteln" sind zu diesem Zweck besonders Paracetamol-haltige
Zäpfchen zu empfehlen.
- Bei Auftreten von Impfreaktionen
soll auf jeden Fall der Hausarzt verständigt werden, einerseits, um
entsprechende Gegenmaßnahmen zu besprechen und einzuleiten, andererseits, um
solche Nebenwirkungen statistisch erfassen zu können.
Wann sollte nicht geimpft werden?
- Bei verschiedenen akuten, fieberhaften
Infekten und bei bekannten Autoimmunerkrankungen
- Bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit
gegen Hühnereiweiß oder gegen Bestandteile des Impfstoffes
- In der Schwangerschaft und Stillzeit
soll die Impfung aufgrund mangelnder Erfahrungen nur nach sorgfältiger
Nutzen-/Risiko Abwägung angewendet werden.
Wie entferne ich die Zecke richtig
|
Während FSME-Viren in den
Speicheldrüsen der Zecken sitzen, befinden sich die Borrelien zunächst im
Mitteldarm. Das hat zur Folge, dass FSME-Viren direkt mit dem Stechakt auf das
Opfer übertragen werden. Bei Borrelien dagegen wird davon ausgegangen, dass
sie
erst zu einem späteren Zeitpunkt während des Saugaktes in den Wirt gelangen.
Insbesondere zur Verhinderung einer Borreliose ist es also wichtig, eine Zecke
so schnell wie möglich zu entfernen.
Fast jeder kennt
einen anderen "Geheimtip" zur Zeckenentfernung. - Sie reichen vom
Abbrennen der Zecke bis zum Drauftröpfeln von Öl. Doch solche Verfahren
schaden mehr als sie nützen. Es kann sein, dass die Zecke in ihrem
"Todeskampf" erst recht Erreger in die Wunde abgibt. Auch das
Quetschen der Zecke beim Entfernen kann schädlich sein.

Man sollte daher Zecken ganz
vorsichtig mit einer feinen Pinzette oder mit einem Skalpell entfernen. Dazu
setzt man dicht über der Haut an und zieht bzw. hebelt die Zecke vorsichtig
heraus. Wer sich nicht sicher ist, die Zecke richtig entfernen zu können,
sollte einen Arzt aufsuchen.
|
Zeckenstich und kein Impfschutz - was kann man tun?
Es steht ein so genanntes
FSME-Hyperimmunglobulin (Antikörper) zur passiven Immunisierung zur Verfügung,
das möglichst frühzeitig, auf jeden Fall nur innerhalb von vier Tagen (96
Stunden) nach dem Zeckenstich verabreicht werden sollte. Am dritten und vierten
Tag nach dem Zeckenstich ist die doppelte Dosis notwendig. Allerdings verhindert
diese Maßnahme nicht zuverlässig eine Erkrankung - das Ausmaß der Wirksamkeit
ist nicht eindeutig geklärt. Ab dem fünften Tag darf die Gabe des
Immunglobulins nicht mehr erfolgen. Da sich etwa die Hälfte der FSME-Patienten
nicht an einen Zeckenstich erinnert und die Inkubationszeit bis zu drei Wochen
betragen kann, sollte das Immunglobulin nicht an Patienten verabreicht werden,
die sich in den letzten drei Wochen in einem Risikogebiet aufgehalten haben.
Kinder dürfen das Immunglobulin erst ab
dem 14. Lebensjahr erhalten.
|